Aktuelles aus der Wissenschaft zum Thema "Ernährungsbedingte Kolikursachen" bei Pferden

Am 12.Juli lud Frau Prof. Ellen Kienzle am Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik zum Vortrag „Ernährungsbedingte Kolikursachen“, der im Namen des GWP (Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft um das Pferd e.V.) stattfand.

Aus unserer Erfahrung in der Fütterungsberatung für Pferde wissen wir, wie entscheidend es ist, die Ursache für diverse Erkrankungen zu finden- nur dann kann man wirklich nachhaltig zur Genesung und erfolgreichen Prävention gelangen!

Gerade bei Koliken, die sehr schnell sehr kostenintensiv oder sogar fatal enden können, ist diese Ursachenforschung essentiell. Leider ist dies nicht immer einfach und erfordert u.U. sehr viel Engagement und „detektivischen Geist“!

Über Jahre haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine ausgewogene, artgerechte Grundfütterung der wichtigste Grundstein für einen gesunden Verdauungstrakt ist: dies geht von einer ausreichenden Heumenge über die angemessene Heuqualität bis zum sinnvollen Raufutter- Kraftfutter- Verhältnis! Sie finden dazu viele Hinweise auf unserer Website!

Gleichzeitig gibt es aber noch eine Vielzahl an weiteren, möglichen Faktoren, die zu Kolik führen können. Wir möchten nachfolgend die Ausführungen Frau Kienzle’s widergeben, um Sie an dieser Wissenssammlung teilhaben zu lassen und auch, um Ihnen eine Art Checkliste an die Hand zu geben, anhand derer Sie Ihre Ursachenforschung begehen bzw. mögliche Gefahrenquellen ausschließen können.

Kolik als solches sind ja ein Ausdruck von Schmerzen, die sich im Verdauungstrakt begründen, aber auch andere Ursachen wie Erkrankungen des Harnapparates oder der Gebärmutter aber auch Vergiftungen haben können! Als die häufigsten Gründe sind allerdings Verstopfungen, Schleimhautschädigungen/ Katarrhe, Fehlgärungen sowie mechanische Verlagerungen zu nennen.

Verstopfungen durch Stroh kommen in den meisten Fällen durch zu geringe Heuvorlage, wodurch dann vermehrt Stroh (aus der Einstreu) gefressen wird. Speziell bei Pferden, denen Heu (zum Abnehmen) rationiert wird, sind gefährdet.

Aber auch das Management in manchen (Pensions-)Ställen beispielsweise führt zu diesem Problem, wenn zu wenige Raufutter- Mahlzeiten und/oder zu große Abstände zwischen den Fütterungen liegen oder wenn die Heuqualität mangelhaft ist.

Hungrige Pferde stürzen sich dann besonders gierig auf sauberes Stroh, wenn dieses zeitgleich auch noch plötzlich in großen Mengen angeboten wird (frische Einstreu).

Erschwerend kommt ein Bewegungsmangel und/oder Wassermangel hinzu. Letzteres besteht auch dann, wenn das Angebot eigentlich ausreichend ist, aber die Erreichbarkeit für jedes Pferd zu jeder Zeit nicht gewährleistet wurde; bei schwergängigen Tränken; bei zu kaltem oder zu warmen Wasser oder auch bei Zahnschmerzen, wenn z.B. die Tränkebetätigung ein Problem sein kann.

Unsere persönliche Erfahrung ist, dass Pferde auch dann vermehrt Stroh fressen, wenn eigentlich genug Heu zur Verfügung stehen würde: dies ist immer wieder bei Magenproblemen zu beobachten, wenn Pferde das „neutralere“ Stroh zu bevorzugen scheinen.

Die Fütterung abführender Futtermittel wie Kleie, Trockenschnitzel oder Heucobs wird bei Verstopfungen immer wieder empfohlen, ist allerdings nur vorher sinnvoll! Das heißt, dass Sie diese Futtermittel z.B. dann schon prophylaktisch zufüttern, wenn Sie Ihrem Pferd anteilig etwas mehr Stroh füttern müssen.

Verstopfungen kommen aber auch bei Pferden vor, die keinen Zugang zu Stroh haben. Es werden auch Späne gefressen!

Blinddarmverstopfungen kommen oft dann vor, wenn zu kurze Häcksel (<2-4 cm) gefüttert werden. Die unzerkaut abgeschluckten Häcksel bilden dann eine Schwimmschicht auf dem Blinddarmkörper.

Auch Sandkoliken fallen unter diesen Oberbegriff, da es zu vermehrter Sandansammlung im Dickdarm kommt. Dies kann durch die Aufnahme von Graswurzel auf sandigen Paddocks/ Weiden mit wenig/ kurzem Gras oder „Sand grasen“ begründet sein. Auch hier ist wieder unbedingt die Heuversorgung zu überprüfen! (Auch hier haben wir die Erfahrung machen können, dass es zu Sand oder Erde fressen kommen kann, selbst wenn genügend oft, in guter Qualität und ausreichender Menge Heu gefüttert wird- nämlich sobald eine Magenerkrankung vorliegt! Diese Pferde versuchen darüber scheinbar, die Magensäure abzupuffern.)

Manchmal wird auch sandiges Futter gefüttert (Heu von überschwemmten Wiesen o.ä.).

Bei Schleimhautschäden und -entzündungen würde man an erster Stelle an Magengeschwüre denken, wobei hier nun Darmkatarrhe besprochen wurden. Ursache hierfür sind gefrorene, stark verschmutzte oder verdorbene Futtermittel sowie bestimmte Medikamente (z.B. nicht-steroidale Antiphlogistika).

Diese Darmschleimhautentzündungen führen dann zu einer Hyper- oder Hypoperistaltik, die dann wiederum Darmverschlingungen, Durchfall oder Verstopfungen nach sich ziehen können. Außerdem kommt es dann zu unzureichender Aufnahme von Nährstoffen und Wasser aus dem Darm!

(Unserer Erfahrung nach sind Magenschleimhautentzündungen und -schäden ein sehr häufiges Problem, gerade, wenn Pferde immer wieder, teilweise eher leichte Koliken haben. Deshalb werden wir uns an anderer Stelle diesem Thema nochmal ausführlich widmen!)

Fehlgärungen sind auch ein ganz zentraler Hintergrund bei Krampf- oder Gaskoliken. Auch hier gibt es mannigfaltige Auslöser:

-          Die Aufnahme stark gärfähigen Futters (z.B. Gras), insbesondere ohne vorherige Gewöhnung, sprich unzureichendes Anweiden, nach Umtrieb auf grasreiche Koppeln nach abgeweideter Koppel, „Ausbruch in’s Gras“ oder auch, wenn der Maulkorb abgestriffen und dies nicht bemerkt wurde!

-          Stark verkeimtes Futter; das kann z.B. auch entstehen, wenn Heu gewaschen wird und zu lange in Wasser liegt, dass evtl. zusätzlich in der Sonne steht bzw. immer wieder zum Waschen von Heu verwendet wird (Anreicherung von Hefen!)

-          Nicht ausreichend abgelagertes Heu (Keimruhe frühestens nach 8 Wochen!); je blattreicher und dichter gepresst oder feuchter eingefahren, um so länger muss es ablagern

Begünstigend für Fehlgärungen wirken dabei Vorerkrankungen (wie Magengeschwüre), intensive Bewegung vor oder nach der Futteraufnahme, starke Aufregung sowie gewisse Medikamente!

Eine hohe Aufnahme an Klee und/ oder Leguminosen führen sogar, durch die enthaltenen Saponine, zu schaumiger Gärung- Vorsicht bei entsprechenden Weiden!

Der Klassiker für Fehlgärungen ist außerdem noch die überhöhte Futteraufnahme, sei es durch unkontrollierten Zugang zu Kraftfutter (ausgebrochenes Pferd bedient sich des Futterwagens), unkontrollierte Fütterung (z.B. durch Kinder im Stall oder wenn weiterhin der Futtertrog automatisch befüllt wird, trotz Abwesenheit und das Pferd bei der Rückkehr auf eine große Menge Futter trifft), wenn allgemein zu viel Kraftfutter gefüttert wird oder auch bei Zugang zu Fallobst!

Gasbildung im Pferdemangen kann auch durch Brotgetreide provoziert werden, also durch das Klebereiweiß im Weizen oder durch die Pentosane im Roggen.

Dickdarmverlagerungen können in Folge von Ansammlungen von langfaserigem Material auftreten, wenn dieses unzerkaut abgeschluckt wird (Windhalm, horstbildende Gräser) oder durch Darmsteine (treten im Mittelmeerraum bei überwiegender Luzernefütterung auf (Achtung bei Importpferden!) oder bei extremer Kleefütterung).

Frau Prof. Kienzle berichtete zudem von einer interessanten Erkenntnis aus der Praxis: An das Institut für Tierernährung und Diätetik werden in verschiedenen Zusammenhängen Futterproben zur Beurteilung eingesandt. Auffällig war, dass bei vorberichtlicher Kolik immer wieder Klappertopf in Heuproben zu finden war. Der Klappertopf ist als Parasit zu sehen, was mit einer erhöhten Endophytenbelastung des Futters einhergeht. Deren Gifte können also auch zu Verdauungsproblemen führen! Das zeigt, dass man immer die Augen für Zusammenhänge offen halten muss.

Als wichtiger Eckpunkt in der Prophylaxe ist das Monitoring der Kotballen: sind diese kompakt, glänzend, dunkel/grün? Oder gelblich, faserig, weich? Wechselt die Konsistenz (häufig)? Dadurch können oft Zusammenhänge mit der Fütterung hergestellt werden und sich anbahnende Probleme frühzeitig gebannt werden.

Sie sehen also, dass eine ganze Reihe an Ursachen bei Kolik zutreffen können. Manchmal ist es trotzdem gar nicht so leicht, den Grund für die Probleme zu finden. Kontaktieren Sie uns gern! https://www.equinovital.de/beratung?c=6

Oftmals ist auch eine detaillierte Analyse der Fütterung nötig und du eine Umstellung, mit manchmal nur kleinen Änderungen, hilfreich! Gerne helfen wir Ihnen weiter!

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